Sho-do

Sho-do – „Weg des Schreibens“ (sho: Schreiben – do: Weg) ist neben der Malerei in Japan die höchste der Künste. Sho-do ist eine Ausdruckskunst, bei der es allein auf die Kraft des Ausdrucks ankommt. Der Schriftzug muss „sprechen“! Gefallen muss er nicht. Insofern ist Sho-do das Gegenteil westlichen Schreibverständnisses und der Antipode (Gegenspieler) der Kalligrafie (kalli: schön – grafie: Schreiben). Meine Schreibkunst kann als das lateinische Pendent des Sho-do bezeichnet werden.

Da ich als Basis meiner Kunst lateinische Schriftzeichen (Buchstaben) nehme, keine Kanji (chinesische Bildzeichen) und auch keine japanischen Schriftzeichen, und weil meine Schreibtechnik Philographie ist (philo: die Liebe zum – graphie: Schreiben), werden mein reduzierten Wortbilder „Philogramme“ genannt

Dr. Reinhard Döhl | Zur Eröffnung der Ausstellung Kei (Okei) Suzuki: SHO

Das westliche Verständnis von „Sho“-Kunst ist mit einigen Irrtümern besetzt. Das wird bereits deutlich, wenn wir hartnäckig „Sho“-Kunst mit Kalligrafie übersetzen. Was in unserem abendländischen Verständnis ja Schönschrift meint.

Das ist in der „Sho“-Kunst durchaus anders. Sie zeigt nicht und will nicht unter Beweis stellen die Kunstfertigkeit des Schreibers, sie ist vielmehr Ausdruck eines Lebensgefühls, aus dem heraus der Schreiber das oder die Schrift-Zeichen zu gestalten versucht. ( … )